In der aktuellen ZEIT versuchen sich Marc Brost und Bernd Ulrich unter dieser Überschrift in einer Analyse der bisherigen Reaktionen von Politik und Wissenschaft auf die sog. Finanzmarktkrise. Zutreffend stellen sie fest: Die Stimmung ist nach wie vor besser als die Lage. Aber die Menschen ahnen auch, dass die Regierung keinen wirklichen Plan hat, sondern nur so tut, als wüsste sie, wie es weiter geht. Zuzustimmen ist den Autoren auch in ihrer Feststellung, dass die Wirtschaftsforscher mit ihren Prognosemodellen auf ganzer Linie versagt haben und versagen. Vorsichtig sprechen Brost und Ulrich den worst case an, dass nicht nur Banken und Unternehmen pleite gehen sondern ganze Staaten. Und was würde dann passieren? Die ZEIT-Autoren spinnen den Gedanken nicht weiter und greifen alsdann zu kurz. Die USA hätten zu lange über ihre Verhältnisse gelebt und Deutschland habe davon profitiert. Das ist zwar richtig, verkennt aber die Tatsache, dass wir in etwas kleinerem Maßstab genauso über unsere Verhältnisse gelebt haben und leben – und zwar nicht nur der Staat sondern wir alle. Die Staatsverschuldung in Deutschland ist in Wahrheit deutlich höher als die offiziellen 1,5 Billionen. Selbst in Zeiten der Hochkonjunktur ist die Verschuldung weiter angestiegen – was völlig gegen die Lehre des jetzt wieder häufig zitierten Keynes verstoßen hat. Etliche Großstädte in Deutschland sind – kaufmännisch gerechnet – insolvent. Die Pensionen der wachsenden Zahl von Ruhestandsbeamten sind nicht kapitalgedeckt. Die öffentlichen Haushalte haben von der Öffentlichkeit unbemerkt massiv Vermögen verzehrt. Abschreibungen sind nicht erwirtschaftet worden. Investitionsstaus gigantischen Ausmaßes haben sich angesammelt. Da ist das sog. 2. Konjunkturprogramm, das zu Lasten künftiger Generation (und nicht auf Kosten den Steuerzahlers, wie immer wieder unscharf gesagt und geschrieben wird) auf Pump finanziert wird, weniger als ein Tropfen auf den heißen Stein. Von den zwei Mrd. Euro, die bei den NRW-Kommunen ankommen sollen, könnte man gerade mal die Haushalte von Bochum und Dortmund einigermaßen in Ordnung bringen. Die spannende Frage ist, wie lange finden sich noch irgendwo auf der Welt Banken und Investoren, die bereit sind, marode öffentliche Haushalte mit frischen Geld zu versorgen? Geld verleiht man normalerweise nur, wenn man durch entsprechende Sicherheiten abgedeckt eine realistische Chance hat, das Geld auch irgendwann mit Zins und Zinseszins zurück zu bekommen. Der Hauptgläubiger der USA, das kommunistische China, tritt schon kräftig auf die Kreditbremse. Auch die Saudis würden gerne irgendwann ihre Milliarden wiedersehen. Und was passiert dann? Erst werden die Notenbanken die Druckerpressen anwerfen und dann wird das Weltwährungssystem neu „geordnet“, denn nationale Währungsreformen kann man vielleicht in Zimbabwe oder Bolivien machen aber nicht in den USA oder im EURO-Land. Also, so ganz ehrlich sind auch die ZEIT-Autoren noch nicht, aber sie fordern immerhin das Nachdenken über einen verantwortvollen und nachhaltigen Umgang mit der Lage heraus, auch wenn sie dabei noch zu sehr mit dem Finger auf andere zeigen – die USA, die Banken, die Wirtschaftsforscher und die Politiker. Man wird aber nicht darum herumkommen, sich mit der Frage zu beschäftigen, welche Rolle unser aller Lebensstil dabei spielt und welche, in vielerlei Hinsicht gerade noch rechtzeitigen notwendigen Veränderungen unumgänglich sind.