Durch Dr. Hanspeter Knirsch
Der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband hat einen sog. Armutsatlas vorgestellt. So verdienstvoll es ist darauf hinzuweisen, dass es erhebliche Disparitäten gibt, so grotesk ist die zugrundeliegende Armutsdefinition. Als arm gilt, wer weniger als 60 % des statistisch ermittelten mittleren Einkommens verdient. Da kann eine Gesellschaft noch so reich sein und das Durchschnittseinkommen noch so hoch sein, Armut ist qua Definition ein fester Bestand des Gesamtsystems. Natürlich sind die Begriffe Arm und Reich relativ. Die Verteilung von Einkommen und Vermögen sagt etwas aus über das Maß an sozialer Gerechtigkeit in einer Gesellschaft. Ungeeignet sind die Begriffe jedoch als Grundlage staatlicher Sozialpolitik. Sie suggerieren nämlich, dass es primär um ein Problem der Verteilung geht. Primär geht es jeoch um die Schaffung von Werten und die Möglichkeiten der aktiven Teilnahme. Solange das Maß des durchschnittliche täglichen Fernsehkonsums einhergeht mit dem dem Maß an Konsum von Fertigpizzen und ähnl. hilft zur Lösung dieses Problems auch eine Erhöhung der Hartz IV-Sätze nichts. Genau dieses, nämlich die Forderung nach Erhöhung der Hartz IV-Sätze ist aber die Konsequenz des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbands.