Der private Reichtum und die öffentliche Armut sind schon häufiger Thema in meinem Blog gewesen. Jetzt gibt es wieder Anlass dazu. Anfang der Woche vermeldete die OECD, dass die Belastung durch Steuern und Sozialabgaben ausser in Belgien nirgendwo in der EU so hoch sei, wie in Deutschland, was prompt die pawlovschen Reflexe der üblichen Verdächtigungen auslöste. Die heutige Meldung des statischen Bundesamts, dass das private Geldvermögen erneut gestiegen ist, und zwar auf fast 5,6 Billionen Euro, hat dagegen der FDP und und dem Bund der Steuerzahler anscheinend die Sprache verschlagen. Die Verschuldung von Bund, Ländern und Kommunen liegt zusammen bei ca. einem Drittel des privaten Geldvermögens. Beide Meldungen signalisieren politischen Handlungsbedarf. Nimmt man richtigerweise noch die Meldung hinzu, dass das durchschnittliche Jahreseinkommen in der Republik Zentralafrika 600 Euro beträgt, dürfte das die Nachdenklichkeit noch steigern. Soziale Gerechtigkeit ist ein Thema, das in der Tat auf die Tagesordnung gehört. Soziale Gerechtigkeit ist nicht über eine Reichensteuer und die Steigerung von steuerfinanzierten Sozialleistungen zu definieren und ganz bestimmt nicht ohne den globalen Bezug.
Eine offene politische Debatte über eine reiche Gesellschaft in einem armen Staat in Zeiten sich verschärfendet globaler Ungleichheit wäre angebracht.