Ein paar Gedanken zum letzten Zafira aus Bochum: Im Zuge des Zechensterbens an der Ruhr Mitte der sechziger Jahre sind schwarze Fahnen zum Inbegriff der Krise einer ganzen Region geworden. Bergleute marschierten damals mit schwarzen Fahnen, um ihre Trauer und ihren Protest ohne Worte zu zeigen. Die Stimmung in Bochum dürfte heute ähnlich sein. Die Zeit der Trillerpfeifen ist vorbei. 20.000 Arbeitsplätze bot Opel in Bochum in den besten Zeiten. Zuletzt waren es noch 3000. Über die Gründe der Schließung des Opelwerks in Bochum kann man heute viel lesen und hören. Tempi passati. Betroffene dürfen ihre Wut, Verzweiflung und Traurigkeit in jedes hingehaltene Mikrofon sprechen. Was aus dem Werksgelände wird, ist noch völlig offen. Für die Stadt Bochum eine mittlere Katastrophe. Rückbau ist ungleich schwieriger als Aufbau. Aber vielleicht täte Rückbau nicht nur der Stadt Bochum sondern dem gesamten Ruhrgebiet besser als die hektische Suche nach neuen Investoren. Mit der Industrialisierung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hat sich das Ruhrgebiet von einer spärlich besiedelten, ländlich geprägten Region zum dichtest besiedelten Ballungsraum Deutschlands mit einer Bevölkerung von rund 5,2 Mio. Einwohnern entwickelt – mit all den negativen Begleiterscheinungen. Die Dynamik des Arbeitskräftebedarfs in Bergbau und Stahlindustrie prägte die Entwicklung. Bochum war einmal die Stadt mit den meisten Zechen in Deutschland, wahrscheinlich in ganz Europa. Schon lange gibt es keine einzige Zeche mehr. Der Förderturm über dem Bergbaumuseum ist nostalgische Kulisse. Die Bevölkerungsprognose des Landesamtes für Datenverarbeitung und Statistik (IT NRW) prognostiziert, dass die Bevölkerung des Ruhrgebietes bis zum Jahr 2025 um ca. 490.000 Einwohner auf etwa 4,8 Mio. zurückgehen wird. Das entspricht im Vergleich zum Jahr 2005 eine Veränderung um -9,3%. In den übrigen Landesteilen bleibt die Bevölkerung dagegen nahezu gleich. Das könnte auch Chancen bieten. Mehr Platz, mehr Lebensqualität, weniger Lärm, weniger Verkehr, weniger Schadstoffe in der Luft. Die Umweltzone Ruhrgebiet könnte sich den Namen verdienen. In keiner anderen Region Deutschlands gibt es so viele Universitäten und Hochschulen. Die dort arbeitenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind ein Potential, um das es sich lohnen würde, zu kümmern. Und natürlich auch um ihre Familien. Was man braucht, um für hochqualifizierte junge Menschen aus der ganzen Welt attraktiv zu sein, ist ziemlich klar: Internationale Schulen und Kindertagesstätten, attraktives Wohnen, Anreize für Forschung Lehre und eine weltoffene Kultur.
Alles wenig tröstlich für den Opelaner, der ab heute keine Autos mehr bauen darf. Aber für seine Kinder und Enkel wird der heutige Tag bald nur noch Geschichte sein. Ihr Blick richtet sich nach vorne. Und dort spielen traditionellen Industrien nicht mehr die Rolle, die dazu geführt haben, das aus dem Dorf Bochum zu Zeiten des Grafen Engelbert von der Burg Blankenstein eine Großstadt wurde.