Nirgendwo in Europa ist die Nitratbelastung der Gewässer höher als in Deutschland. Wir düngen damit die Nordsee und die Ostsee. Das hat jetzt die EU-Kommission zum Anlass für ein Verfahren gegen die Bundesrepublik Deutschland genommen. Ursache der Nitratschwemme ist die Gülle der Schweine und Rinder aus deutscher Massentierhaltung. Rechtsgrundlage der systematischen Gewässervergiftung ist die Düngeverordnung (DüV) aus dem Jahr 2006. In ihr wird die sogenannte „gute fachliche Praxis“ für die Anwendung von Düngemitteln auf landwirtschaftlich genutzten Flächen geregelt. Im Jahr 2016 soll die neue Düngeverordnung in Kraft treten. Insoweit kommt das Verfahren der EU-Kommission für die deutsche Fleischindustrie absolut ungelegen. Es ist ziemlich erschütternd, wie wenig die Öffentlichkeit über dieses politische Konfliktfeld informiert wird. Dabei ist doch das Wasser das wichtigste Grundnahrungsmittel. Überdüngung belastet nicht nur die Meere, sondern auch das Grundwasser, aus dem viele kommunale Wasserwerke das Trinkwasser gewinnen. Wenn der Nitratgehalt weiter steigt, wird es immer aufwendiger und damit teurer das Trinkwasser so aufzubereiten, dass es den Ansprüchen der Trinkwasserverordnung genügt. Dass die Massentierhaltung nicht nur unser Wasser vergiftet, sondern auch einen wesentlichen Beitrag zur Produktion klimaschädlicher Gase leistet, wäre ein weiteres Argument dafür, die Genehmigungspraxis von Tiermastställen radikal zu ändern.
Es gab Zeiten, da hielt der Bauer nur soviel Tiere, wie er von seiner Scholle ernähren konnte. Die anfallende Gülle konnte der Boden gut aufnehmen. Diesen Zustand wird man nicht wieder erreichen können. Aber jetzt schon hat Deutschland eine Überproduktion von Fleisch. Hier müsste ein wirkungsvoller Schutz des Wassers ansetzen und nicht erst, wenn die Abfallprodukte der Fleischindustrie schon in den Tanks lagern. Das ist auch ein kommunales Thema, denn genehmigt wird vor Ort - von den kreisfreien Städten und den Kreisen.